Naturforschende Gesellschaft Uri: Exkursionsbericht
 
 Botanikerwoche Alp Grat, Attinghausen vom 3.-7. August 2015   
 
 
Wie schon in früheren Jahren waren auch diesen Sommer wieder Botaniker der Naturforschenden Gesellschaft Uri für Kartierungen im Kanton unterwegs. Ausgangspunkt war die Alp Grat am Weg von Attinghausen - Brusti - Surenenpass - Engelberg. Sie liegt auf der Krete zwischen dem Gitschental im Norden und der Waldnacht im Süden, ideal für Exkursionen in jede Richtung. Meist in Gruppen mit wechselnder Zusammensetzung waren wir unterwegs und notierten, was in den vielen verschiedenen Lebensräumen zu finden war.
 
 
 

Alp Grat, links mit Gibelstöck, rechts mit Schlossbergkette im Hintergrund. (Fotos: F. Bucher)
 
 
 Die Geologie ist im Gebiet sehr vielfältig. Ein breites Band von Flysch zieht zwischen Gitschital und Brusti südwestlich gegen den Surenenpass, wobei es immer schmaler wird und erst auf der Westseite der Passhöhe bei der Blackenalp sich wieder aufweitet. Südlich dieser Zone ist der Malmkalk mit dem Hoch Geissberg im Osten bis zu der Schlossbergkette im Westen. Nördlich sind es Lias, Dogger und Malmkalke mit dem Gitschen im Nordosten und dem Brunni- und Blackenstock in Südwesten. Diese Kalke prägen die Flora der darunterliegenden Blockschutthalden sowie der Alluvionen im Gitschital und der Waldnacht ganz wesentlich.
 
 
 Im Folgenden sind einige Exkursionsziele kurz beschrieben, zusammen mit Arten, die wir dort gefunden haben.

Gibelstöcke - Seewli
Die Region der Giebelstöcke liegt im Flysch, die Böden sind ziemlich feucht bis nass und prägen damit auch die Flora. Seggen und Binsen sind häufig, so auch der weissblühende Eisenhutblättrige Hahnenfuss (Ranunculus aconitifolius), die Trollblume (Trollius europaeus) oder die Sumpfdotterblume (Caltha palustris). Die Quendelblättrige Kreuzblume (Polygala serpyllifolia) wurde hier auch gefunden, eine Seltenheit, zumindest für den Kanton Uri.
Bei gutem Wetter lohnt sich auch der Aufstieg zum Gibelstockhöreli. Der Blick ins Urner Reusstal und nach Norden zum Urnersee und den Mythen ist besonders eindrücklich!
 
 
 

Letzter Gratabschnitt im hintern Gitschital
 
 
  Gitschital
Der Weg von Alp Grat ins Gitschital führt durch einen felsig-steinigen, nordexponierten Hang. Hochstaudenfluren sind überall, wo der Felsschutt nicht allzu beweglich ist. Ein grösserer Bestand vom Hohen Rittersporn (Delphinium elatum) war kaum zu übersehen! Einige Wochen zuvor wäre auch die Alpenakelei (Aquilegia alpina) auffällig gewesen. Jetzt anfangs August fanden wir nur noch Blätter und Fruchtstände, meist auf Felsabsätzen, vereinzelt auch in der Felsschuttflur. Die üppigsten Bestände sind allerdings hoch oben auf den unzugänglichen Felsbändern.
 
Im hinteren Talkessel waren die Alluvionen des Palanggenbachs sehr interessant. Die Schneeweisse Pestwurz (Petasites paradoxus) hat häufig den Pestwurzwürger (Orobanche flava) als Begleiter. Hier war es eher so, dass es mehr Würger als Pestwurz gab! Andere ausgedehnte Flächen vom Bachbett waren 'eingefärbt' von den grossen, roten Blüten vom Fleischers Weidenröschen, das dem Lebensraum auch seinen Namen gibt (Epilobion fleischeri).
 
 Langschnee, Allenwinden
Langschnee zwischen Angistock und Surenenpass ist eine südexponierte Schutthalde mit allen Übergängen vom feinen Kalkschutt bis zur Blockschuttflur. Typische Arten auf diesem beweglichen Untergrund wie Rundblättriges Täschelkraut (Thlaspi repens), Bewimperte Nabelmiere (Moehringia ciliata) oder Kriechende Nelkenwurz (Geum reptans) waren häufig. Auf grossen Steinblöcken waren der Traubensteinbrech (Saxifraga paniculata), der Gemsschwingel (Festuca rupicaprina) oder stellenweise die Echte Edelraute (Artemisia umbelliformis) nicht selten.
Beim gegenüberliegenden nordexponierten Hang überwiegen vor allem Grasartige, so die Braune Hainsimse (Luzula alpinopilosa), die Rostsegge (Carex ferruginea), das Zarte Straussgras (Agrostis schraderiana). Die häufigste Polsterpflanze ist das Schweizer Labkraut (Galium megalospermum).
 
 
  Surenenpass, Eggenmandli
Surenenpass und Eggenmandli sind nicht nur botanisch interessant, auch der Blick hinunter in die beiden Täler und zu den umliegenden Bergspitzen zieht immer wieder Wanderer an. Solch exponierte Lagen sind auch im Winter oft schneefrei und es gibt einige Pflanzen, die das besonders gut ertragen. Dazu gehört der Ährige Grannenhafer (Trisetum spicatum), das Nacktried (Elyna myosuroides), der Zarte Enzian (Gentiana tenella) oder auch der Triglav-Pippau (Crepis terglouensis). Diese Arten und auch die Zwergorchis (Chamorchis alpina) wurden auf dem Weg vom Surenenpass zum Eggenmandli gefunden.
 

Zwergorchis (Foto: F. Bucher)
 
 
 
 
 Waldnacht, Guggital
Die Waldnacht wird zwar von der Alpwirtschaft ziemlich intensiv genutzt, was aber nicht heisst, dass es botanisch nicht mehr viel zu entdecken gäbe. Auf und zwischen riesigen Felsblöcken, entlang dem Angibach und auch in den Hochstaudenfluren der südlichen Berghänge haben sich verschiedenste Pflanzen angesiedelt die nicht selten von den höheren Bergregionen stammen. In den sandigen Alluvionen war der Alpen-Süssklee (Hedysarum hedysaroides) überaus häufig zu finden. Im lichten Wald mit dichter Hochstaudenflur wurde der sehr seltene Salbei-Würger (Orobanche salviae) und im Guggital das ebenfalls seltene Einblatt (Malaxis monophyllos) gefunden.

Neben der Botanik kam auch der gesellige Teil nicht zu kurz. Das Wetter war meist so schön und warm, dass man bis zur Nachtruhe draussen sitzen konnte. Auch der Familie Herger und ihren Gehilfen können wir ein Kränzchen winden - sie haben uns bestens bewirtet. Herzlichen Dank!
 
 
 
 
Die Familie Herger mit ihren Gehilfen (oben) und die Gruppe der Botanikerinnen und Botaniker, die am Freitag noch dabei waren.

 
 Vielen Dank auch allen Mitarbeitern, einerseits für die Kartierung draussen, dann auch für die gute Zusammenarbeit beim Bestimmen schwieriger Arten. Die Erfahrungen und kritischen Hinweise anderer sind oft eine wertvolle Hilfe!
 
 
 
Rolf Geisser, Seelisberg
 
 
 
 
 Hier noch ein paar Fotos vom jüngsten Teilnehmer, Fabian Von Mentlen:
 
 
 

Grüne Hohlzunge
 

Bayrischer Enzian
 
 
 
 
 

Alpen-Soldanelle
 

Hummel auf Schwalbenwurz-Enzian